Auf der Couch durch die Wüste und zurück

Viel zu müde.

Zu müde, um etwas zu bewegen; zu müde, vom Sofa aufzustehen und sogar zu müde, sich hinzulegen. Das Buch über die Geschichte des römischen Weltreiches, in dem er aus Langeweile geblättert hatte, lag vor ihm, aber er konnte sich nicht dazu bringen, konzentriert weiter zu lesen.
Also blieb er sitzen:
Die Beine ausgestreckt  auf dem kleinen Tischchen vor ihm, das Rückgrad ungesund gekrümmt und das halbleere Weinglas in der Hand haltend wartete er darauf, dass irgend etwas ihn aus seiner Lethargie reißen würde.

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Feierabend

Er ging in die Ecke des geräumigen Zeltes

Und nahm sich ein Bier aus einer Kiste,

die irgendwem gehörte.

 

Es hatte nicht den üblichen Kronkorken,

sondern eine praktische Lasche zum Abziehen.

Manche dachten sogar daran, dass man hier auf die schnelle

Vielleicht keinen Flaschenöffner auftreiben konnte.

Manche dachten fast an alles.

 

Er ging mit der Flasche in der Hand zu seinem Bett
– wenn man das überhaupt so nennen konnte –

Und setzte sich darauf.

Nahm einen Schluck.

 

Im Zelt herrschte reger Betrieb,

aber er war von seinen eigenen Gedanken

abgelenkt.

 

Ab und zu warf ihm jemand ein paar Wortbrocken zu,

aber er reagierte nicht, er fühlte sich müde.

Müde, vor allem wenn er an Morgen dachte.

Es würde wieder ein langer Tag werden.

 

Er setzte die Flasche erneut an die Lippen,

dachte an seine Frau und seinen Sohn.

Sobald sie wieder in eine Gegend kommen würden,

wo sein Handy genug Netz bekommen würde,

würde er sie anrufen.

 

Dann dachte er, der Soldat, an die Frau, die er

Heute aus Versehen erschossen hatte,

und fragte sich, ob er gerichtet werden würde

und wer sein Richter sein würde.

 

Dann leerte er die Flasche, legte sich hin

Und versuchte zu schlafen.

 

©br0k3n 1993-2015

Sag doch einfach „hello again“

Er öffnete Augen,

die in Höhlen brannten,

in einem Kopf, der sich nicht entscheiden konnte,

ob er unendlich federleicht sein,

oder Wahnsinnsschmerzen ausstrahlen wollte.

 

Eine trockene Zunge bewegte sich nur zögerlich in einem trockenen Mund,

und er starrte an eine gelblichbraune Decke,

die mit dunkelroten Blutspritzern besprenkelt war.

 

Tränen schossen  in  Augen,

als er sich erinnerte,

wer er war, wo er war

und warum er immer noch war.

 

Der Notarzt beugte sich über ihn,

und als er in dessen Augen sah,

fragte er sich,  ob er denn

zu dumm für alles war.

 

Wie konnte man sich denn

Eine Pistole in den Mund stecken,

abdrücken und trotzdem überleben ?

Er war anscheinend sogar zu dumm

Um Selbstmord zu begehen.

 

In tiefer Bitterkeit versunken

Verlor er wieder das Bewusstsein.

 

©br0k3n 1993-2015